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Die Geschichte Wandsbeks Wandsbek verlor 1937 - wie auch die Städte Altona und Harburg - seine kommunale Selbstständigkeit. Damals hatte die Stadt 48.000 Einwohner. Die Nationalsozialisten schafften mit einer gesetzgeberischen Maßnahme  diesen Kraftakt, der durch Verhandlungen in den Jahren davor nicht ermöglicht werden konnte und schufen mit dem Groß- Hamburg-Gesetz die heutige Struktur der Hansestadt Hamburg. Das ungestüme Wachstum der Kommunen und der technische Fortschritt waren die eigentlichen Gründe, die die Beseitigung der Grenzen erzwangen und damit eine sinnvolle Weiterentwicklung dieses städtischen Siedlungsraumes in Norddeutschland umsetzten. Wandsbek, erstmals 1296 urkundlich erwähnt, hatte sich im Laufe der Jahrhunderte von einer dörflichen Ansiedlung zu einem Lehngut und einem adligen Gut mit herrschaftlichem Sitz, über einen Fabrikort zu einer kreisfreien Stadt mit 28.000 Einwohnern (1901) entwickelt. Schleswig-Holstein zugehörig stand es lange unter dänischer und ab 1866 unter preußischer Verwaltung. Der Bezirk Wandsbek Der Bezirk Wandsbek, im Nordosten Hamburgs gelegen, ist mit über 400.000 Einwohnern heute der Einwohner stärkste der sieben Bezirke der Metropole. Als selbstständige Kommune wäre Wandsbek jetzt die 16. größte Stadt Deutschlands. Der Name der ehemaligen Stadt wird mehrfach verwendet, nämlich als Name für den Bezirk, für das Kerngebiet mit fünf Stadtteilen sowie für den das Zentrum bildenden Stadtteil. Selbst nach über sechzig Jahren ist die Integration in den Stadtstaat Hamburg durch die Ur-Hamburger mental noch nicht abgeschlossen. Allerdings wurde in dieser Richtung 1998 vom Senat der Hansestadt ein bedeutender Schritt getan, als das "Staatsarchiv Hamburg" als erste Behörde aus der Hamburger Innenstadt an den Wandsbeker Markt verlagert wurde. Postalisch ist der Name Wandsbek endgültig gelöscht: Aus Wandsbek wurde erst Hamburg-Wandsbek, später Hamburg 70, inzwischen haben nicht merkbare Postleitzahlen die Zuordnungsgrenzen verwischt. Das zuständige Briefzentrum 20 hat seinen Standort in Mecklenburg. Das Gebiet der ehemaligen Stadt Wandsbek, umfasst heute die Stadtteile Wandsbek mit Hinschenfelde, Marienthal, Jenfeld und Tonndorf. Bis zur Eingemeindung nach Hamburg herrschte wegen der unmittelbaren Nähe zur Hansestadt einerseits stets ein reger Austausch zwischen beiden Städten, andererseits auf manchen Gebieten Rivalität. Bedeutend war von altersher die durch Wandsbek führende Straßenverbindung zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck. Diese Magistrale mit ihrem regen Handelsverkehr war die Ursache, dass Wandsbek über Jahrzehnte von einer Zollgrenze durchschnitten war, weil Dänemark sich gegen den Handelsverkehr der Hamburger abgrenzen bzw. davon profitieren wollte. Damit genoss ein großer Teil Wandsbeks die Vorzüge des Zollfreiraums Hamburg. Diese stark befahrene Trasse gibt es noch heute als Bundesstraße 75. Ein Anziehungspunkt für Erholung suchende Großstädter Wandsbek war in der zurückliegenden Zeit durch seine Grünanlagen und Unterhaltungsangebote ein Anziehungspunkt für Erholung suchende Großstädter. Der Dichter Matthias Claudius (1740-1815), der hier lebte und wirkte, warb aus Überzeugung für seinen Heimatort und machte ihn durch die von ihm redigierte Zeitung "Der Wandsbeker Bothe" in der deutschen Geisteswelt bekannt. Der ab 1861 für anspruchsvolle Einzelhaus- bebauung parzellierte Wandsbeker Schlosspark entwickelte sich zum Stadtteil Marienthal und zog viele vermögende, Ruhe suchende Hamburger nach Wandsbek. Lange Zeit war Wandsbek von damals unbekannter Toleranz geprägt. Schon um das Jahr 1600 wurden Juden als Mitbürger geduldet. Sie trugen zur Entwicklung des Gemeinlebens bei. Ähnliches galt für die Mennoniten. Protestanten konnten ab dem 16. Jahrhundert Gottesdienste in einem Raum des Wandsbeker Schlosses abhalten. Eine Kirche errichteten sie 1634. Auch die Gerichtsbarkeit agierte großzügig. In Wandsbek war mancherlei erlaubt, was anderswo vor keinem Gesetz Gültigkeit hatte. Beispielsweise fanden Bankrotteure und Schuldner hier eine Freistätte, die vor Verfolgung schützte, oder junge Paare wurden ohne Zustimmung der Eltern getraut. "Wat narms gelt, dat gelt to Wandsbek" hieß ein kritischer Spruch in umliegenden Ländern. Die Redensart: "Ach, geh doch nach Wandsbek!", ist noch heute in Dänemark geläufig. Florierende Wirtschaft Auf der anderen Seite betrieben die Wandsbeker Gutsverwalter, insbesondere Heinrich Carl Graf von Schimmelmann, eine kluge Wirtschaftspolitik. Das Wasser der Wandse wurde durch zahlreiche Mühlen zur Energiegewinnung genutzt, ebenso diente es Wäschereien und Bleicherein, um Kattune (Baumwollstoffe) zu säubern und auf den flussnahen Wiesen zu bleichen. Durch geschickte Maßnahmen wurden Gewerbe- und Industriebetriebe angesiedelt, die die Bevölkerung in Lohn und Brot setzten. In manchen Branchen erlangten Wandsbeker Unternehmen landesweit und auch weltweit Geltung, wie zum Beispiel die Kattundruckerei Lengercke, die Lederfabrik Luetkens, die Gärtnerei Neubert, das Reichardt-Schokoladenwerk oder die Deutschen Hefewerke, um nur einige zu nennen. Der Handel profitierte von der unmittelbaren Nähe des Welthafens Hamburg. Es sei noch erwähnt, dass Ziegeleien bis ins 20. Jahrhundert hinein einen bedeutenden Wirtschaftszweig darstellten. Nicht die Wandse hat der Ortschaft den Namen gegeben. Vielmehr übertrug man den Namen auf den Fluss, der in alter Zeit Bek oder Mühlenbek genannt wurde. Nachgewiesen werden konnte, dass der Name Wandse 1821 Verwendung fand. Über die Bedeutung und Herkunft des Namens Wandsbek gibt es keine eindeutige Meinung. Es könnte die Übertragung des Eigennamens des früheren Bewohners Wanto auf den Ort sein oder auch mit Grenzort (Wande, Grenze) erklärt werden. Der Wandse-Flusslauf, der jetzt erheblich weniger Wasser führt und nicht mehr zur Kraftgewinnung genutzt werden kann, begleitet nun Erholung suchende viele Kilometer weit durch einen Grünzug, zu dem auch der Eichtalpark gehört. Wandsbek hat einen großen Anteil an der Prägung der heutigen Gestalt Hamburgs, besonders wenn die Metropole als eine “grüne” Stadt gelobt wird. Nur wenige Straßen sind nicht durch Bäume gesäumt, alte Ziegeleigruben sind zu Biotopen umgewandelt worden, zunehmend werden Flussläufe renaturiert. In ganz Hamburg wurde zum Schutze der Bäume ein strenges Gesetz erlassen. Das Wappen Das Wandsbeker Wappen wurde 1877 entwickelt, nachdem die Kommune 1870 die Einwohnerzahl von 10.000 überschritten hatte und zur Stadt erhoben worden war. Zu Ehren des Dichters Matthias Claudius, des "Wandsbecker Boten"trägt es dessen Embleme Hut, Stock und Botentasche (weiß auf blauem Grund mit goldener Halskrone) und als Verbundenheit zum Kreis Stormarn in einem kleinen Schild dessen Wappentier, den Schwan (weiß auf rotem Grund mit goldener Halskrone). Aufbau des Archivs Leider stehen aus alter Zeit für Forschungen keine umfassenden Archive zur Verfügung. Das städtische Wandsbeker Heimatmuseum fiel dem Bombenterror des 2. Weltkrieges zum Opfer. Mühselig und zeitaufwändig war der Neuaufbau einer historischen Sammlung, die Wandsbeks Geschichte in Berichten, Abbildungen und anderen Dokumenten wiedergibt. Da die kommunale Verwaltung sich dieser Arbeit enthielt, übernahm der Wandsbeker Bürgerverein von 1848 e.V. diese Arbeit und kann heute stolz auf sein 1979 gegründetes Archiv und Heimatmuseum sein, das seit Anbeginn von ehrenamtlichen Kräften geführt wird. Darüber hinaus haben einige Mitbürger aus privater Verantwortung und geschichtlichem Interesse bedeutendes Material zusammengetragen, das naturgemäß der Öffentlichkeit kaum zur Verfügung steht. Helmuth Fricke
Der Wandsbeker Geschichtsstein erinnert an die Enwicklung des Ortes. Seit 2005 steht er neben der Christus-Kirche Der Wandsbeker Markt 2005 Das Wandsbeker Schloss wurde, obwohl es baulich in einem guten Zustand war, 1861 abgerissen. Kolorierte Zeichnung von A. Mosengel Der Wandsbeker Markt 1850 Luftbild vom Wandsbeker Markt um 1930